Neben Zustimmung hat der NRW-Ministerpräsident für seinen Satz, das Land brauche mehr Moscheen, auch Kritik geerntet. Hamburgs Weihbischof Jaschke warnte vor „muslimischen Parallelwelten“.
dÜSSELDORF Jürgen Rüttgers hatte viele Briefe bekommen, böse und auch hasserfüllte, wie er am Sonntag in Duisburg-Marxloh vor tausenden von Zuhörern berichtete. Anlass war die Eröffnung der Merkez-Moschee, der zur Zeit größten Moschee in Deutschland überhaupt. Rüttgers hatte die Protestlawine mit seiner Bemerkung ausgelöst, das Land brauche mehr Moscheen. In Duisburg wiederholte der CDU-Politiker am Wochenende diese Äußerung: „Der Satz ist richtig. Wir brauchen mehr Moscheen, aber nicht in den Hinterhöfen, sondern sichtbar.“
Dafür bekam der Ministerpräsident starken Beifall. Doch es gibt auch kritische Stimmen. „In diesem Fall irrt der von mir ansonsten hochgeschätzte Jürgen Rüttgers“, so der Schriftsteller Ralph Giordano. Der Bau von Großmoscheen stehe in keinem Verhältnis zur Anzahl der Muslime in Deutschland, sagte der 85-Jährige unserer Zeitung, Wenn man bedenke, dass derzeit 200 weitere Moscheen geplant seien, dann sei Deutschland auf dem Weg, in eine „Plantage von Großmoscheen verwandelt zu werden“. Zwischen der viel beschworenen Hinterhofmoschee und zentralen Großmoscheen hätte es „viele Abstufungen ohne den Abschreckungseffekt des Duisburger Modells“ gegeben. Giordano weiter: „Solange der Islam den Beweis schuldig bleibt, dass er mit Demokratie, Meinungsvielfalt, Pluralismus und Gleichstellung der Frau vereinbar ist, solange spiegeln Mega-Moscheen in Deutschland nicht die Wirklichkeit der Migrations- und Integrationsproblematik wider. Deshalb: Der Bau von Großmoscheen muss gestoppt. werden.“
Doch nicht die Moscheen seien das eigentliche Problem, sondern der Islam. Es gebe keinen islamischen Staat, der im westlichen Sinne demokratisch regiert werde.
Ganz anders äußert sich NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU). Die Moschee in Duisburg zeige, „dass die Menschen bei uns angekommen sind und hier bleiben wollen“. Dies sei zu begrüßen, sagte der Minister unserer Zeitung. Allerdings müssten sich nun auch die türkischen Institutionen stärker in Deutschland verankern. Die Organisation Ditib, die den Bau von Moscheen maßgeblich betreibt, müsse unabhängiger von der Türkei werden, fordert Laschet. In Zukunft sollten zudem die Vorbeter (Imame) aus dem Kreis der hier aufgewachsenen Türken stammen und nicht mehr aus der Türkei. Er sei erleichtert, dass der Präsident des Amtes für Religionsangelegenheiten in der Türkei, Ali Bardakoglu, das genau so sehe: „Das ist ein gutes Signal.“ Die Türkei müsse aber endlich zulassen, dass in Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, eine christliche Kirche gebaut werden dürfe: „Dies wäre eine Riesenchance zu zeigen, dass sich in der Türkei etwas tut.“
Weihbischof Hans-Jochen Jaschke vom Erzbistum Hamburg übte vorsichtige Kritik an der Äußerung von Rüttgers in Duisburg-Marxloh. Politiker benötigten Schlagzeilen, meinte Jaschke gegenüber unserer Zeitung. Der Ministerpräsident habe womöglich im Überschwang der Begeisterung über die Moschee-Eröffnung so gesprochen. Der 67-jährige Hamburger Weihbischof, der in der katholischen Deutschen Bischofskonferenz unter anderem für den interreligiösen Dialog zuständig ist, begrüßte es nach eigenen Worten („Als Mann der Kirche liegt mir sehr viel daran“), dass hier lebende Muslime die Möglichkeiten haben, ihren Glauben in Moscheen auszuüben und nicht mit Hinterhof-Gebäuden vorlieb nehmen müssen.
Jaschke sagte: Wenn NRW-Ministerpräsident Rüttgers gemeint haben sollte, dass es richtig sei, wenn hierzulande vom türkischen Staat finanzierte große repräsentative muslimische Zentren mit Banken, Geschäften, Reisebüros um die Moschee herum ausgebaut werden, sei er zurückhaltend und skeptisch: „Solche abgeschotteten Großzentren bergen die Gefahr, dass eine Parallelwelt entsteht, die der Integration der Muslime in unsere Gesellschaft zuwiderläuft.“
Internet Fotos von der Moschee unter www.rp-online.de/duisburg
Quelle: Rheinische Post